BZ Pflege Bern Kunstprojekt


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Kunst und Medizin

Kultur und Pflege


Im Herbstsemester 2023 wird am Berner Bildungszentrum BZ Pflege ein einmaliges Kunstprojekt stattfinden. Es richtet sich explizit an Studentinnen und Studenten in den Pflegeberufen. Das Unterrichtsmodul bietet den Lernenden die Möglichkeit, ihre persönlichen Gedanken und beruflichen Erfahrungen in unkonventioneller und kreativer Form sichtbar werden zu lassen. Das Projekt wird geleitet vom international renommierten Schweizer Künstler Frantiček Klossner. Die thematische Verknüpfung der Bereiche Kunst und Medizin, resp. Kultur und Pflegeberufe, bietet vielschichtige Möglichkeiten der Wissensvertiefung und der Förderung von Kreativität innerhalb der Ausbildung. Theorie und Praxis begegnen sich in sinnlicher Weise. Anhand von künstlerischen Einzel- oder Gruppenarbeiten wird berufsspezifisches Fachwissen sichtbar gemacht und um neue Perspektiven erweitert. Die eigenständige Sichtweise der Studentinnen und Studenten steht dabei im Vordergrund. Ausgehend vom individuellen Erfahrungsschatz aller Mitwirkenden, wird eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Werke entstehen. Die Vielfalt der Werke soll auch die Vielfalt des Denkens widerspiegeln. Die künstlerische Herangehensweise kann völlig frei gewählt werden. Bei der Realisierung der Werke werden die Lernenden vom Künstler Frantiček Klossner unterstützt. Sämtliche kreativen Ideen und Umsetzungsformen sind willkommen. Dies umfasst sowohl Rauminstallationen, Fotos, Videos, Wandobjekte, skulpturale Werke, Collagen und vieles mehr. Die Werke aus dem Unterricht, werden in zwei Ausstellungen sowohl innerhalb des Berner Bildungszentrums Pflege wie auch in einer externen Institution öffentlich präsentiert. Die Ausstellungen sollen einen lebhaften und authentischen Einblick in die aktuellen Themen der Pflege vermitteln. Aus der Sicht von angehenden Fachpersonen ... aus erster Hand!

 

Kurswochen:

Montag, 09. Okt. bis Freitag 13. Okt. 2023

Montag, 16. Okt. bis Freitag 20. Okt. 2023

 

Exkursion:

Musée de la main UNIL-CHUV Lausanne

Wissenschaft, Kunst und Medizin

 

Inputreferate:

- Diversität & Mentalitätsgeschichte

- Medizinische Bildwelten in der Gegenwartskunst

- Medizingeschichte im Spiegel der Kunstgeschichte

- Kulturgeschichte der Pandemien

- Kreativität und Krankheit

 

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Der Mensch im Fokus: Das Unterrichtsmodul «Kunst und Pflegeberufe» konnte 2018 erstmals am Bildungszentrum BZI Interlaken durchgeführt werden. Die Werke aus dem Unterricht wurden im Kunsthaus Interlaken öffentlich präsentiert. Die grosse positive Resonanz auf die künstlerischen Werke der angehende Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, hat uns dazu bewogen, das Unterrichtsmodul auch an weiteren Berufsschulen durchzuführen.

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Inputreferat:

Diversität & Mentalitätsgeschichte

Der gesellschaftliche Wandel in Europa wird im Spiegel der Medizingeschichte besonders deutlich sichtbar. Anhand von bekannten Meilensteinen der Kunstgeschichte untersuchen wir die Wechselwirkungen zwischen der Medizingeschichte und der europäischen Mentalitätsgeschichte. Von der Befreiung des Denkens in den Epochen der Renaissance und der Aufklärung, über die geistigen Erneuerungen des Humanismus bis hin zum Fortschrittsdenken der Neuzeit und den Umbrüchen der Moderne. Anhand der Medizingeschichte entdecken wir die Entstehung von integrativen und reflektierenden Gesellschaften. Die Geschichte Europas ist eine Geschichte der kulturellen Vielfalt. Uns verbindet eine reiche gemeinsame Vergangenheit der gesellschaftlichen Wechselwirkungen und der kulturellen Inspirationen. Aus dem Dialog der Vielfalt, der Diversität, gestalten wir täglich unsere gemeinsame Gegenwart und Zukunft. Ausgehend von der Emanzipation des Denkens, wurden neue politische Ideen geboren, neue Wissenschaften und neue Kunstformen entdeckt, neue Staatsformen wie die Demokratie entwickelt und neue Formen des Zusammenlebens geschaffen. Unsere Gefühle... unser Denken... unsere Werte und Ideale ... spiegeln diese Mentalität der kulturellen Vielfalt. Wir leben im Hier und Jetzt … wir sind die Zeitzeugen der Gegenwart, also jener Epoche, die wir durch unsere Kreativität, durch unser Denken und Handeln, jeden Tag neu formen und mitbestimmen.

 

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Carte blanche für diejenigen, die sich um uns kümmern

Das Musée de la main UNIL-CHUV in Lausanne hat den Pflegeberufen in der Corona-Pandemie (2021) eine unkonventionelle Plattform gewidmet: Angehende Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner der Haute Ecole de la Santé La Source und der Haute Ecole de Santé du Canton de Vaud HESAV, haben in einem gemeinsamen Kunstprojekt, unter der Leitung des Künstlers Frantiček Klossner, ihrer Kreativität freien Lauf gelassen, um ihre Erfahrungen, Gefühle, Hoffnungen und Sorgen auszudrücken. Ihre Werke luden dazu ein, die heutige Situation der Pflegeberufe zu hinterfragen und aus neuen Perspektiven zu betrachten. Das grosse gesellschaftliche Engagement der jungen Generation wurde in der Ausstellung deutlich spürbar und die Systemrelevanz der Pflegeberufe unübersehbar.

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Michele Piffaretti mit seiner Videoinstallation "Die Kraft des Lächelns in der Pflege", Musée de la main UNIL-CHUV, Ausstellung ART SOIN, 2021
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Videoinstallation von Arnaud Dubosson in der Ausstellung ART SOIN, Musée de la main UNIL-CHUV, 2021
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«contrecœur», ein Werk von Carla Luis dos Santos, in der Ausstellung ART SOIN, Musée de la main UNIL-CHUV, 2021

Inputreferat:

Medizinische Bildwelten in der Gegenwartskunst

Zahlreiche bekannte Werke der Gegenwartskunst sind beeinflusst vom Fortschritt in der Medizin. Bildgebende Verfahren, wie sie in der Medizin zur Anwendung kommen, verändern unsere Selbstwahrnehmung und gelangen als zeitgenössische Ausdrucksmittel auch in der Kunst zum Einsatz. Sie vermitteln ein sehr aktuelles Menschenbild zwischen Globalisierung und digitaler Transformation, in einer sich rasant verändernden Welt.

 

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Menschenbilder der Gegenwart: Der australische Bildhauer Ron Mueck (geb. 1958 in Melbourne) ist bekannt für seine überdimensionalen hyperrealistischen Menschenplastiken aus Fiberglas und Silikon. Die künstlerische Absicht ist die radikale Übersteigerung der Wirklichkeit, wie wir sie im alltäglichen Leben

nie selber erleben können. Die Kunst macht es möglich. Der Themenkreis seiner Werke umfasst Geburt, Leben, Jugend, Alter und Tod.

 

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Kunst ist Medizin / Medizin ist Kunst: In seiner Werkreihe «The Cure» kommentiert der britische Künstler Damien Hirst die Macht der Pharmaindustrie in der modernen Gesellschaft und erinnert dabei an Andy Warhols Ästhetik der Pop-Art. Die Werke sind ein Symbol für eine sterile Welt, in der Schmerz mit Medikamenten neutralisiert wird und negative Gefühle betäubt werden.


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Wie bildgebende Medien aus der Medizin die Sicht auf das eigene Selbst verändern: «X-ray of My Skull», Meret Oppenheim, 1964

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Bodypainting in Röntgendurchleuchtung mit oralem Kontrastmittel: «My skull is given a face», X-ray Video, Frantiček Klossner, 1999


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Performancekunst in der Rehaklinik: «Selbstporträt in Gold» von der Zürcher Künstlerin Manon (nach einem chirurgischen Eingriff am Schultergelenk)

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Kunst und Medizin: «Temple», eine 6.4 Meter hohe Bronzeskulptur vom britischen Künstler Damien Hirst, 2008


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Kunst und Medizin als Hoffnungsträger: die Bronzeskulptur «Temple» von Damien Hirst in der Ausstellung «Mental Escapology» (Psychische Entfesselung) in St. Moritz, 2021 ... Kunstwerke im öffentlichen Raum: Eine Antwort auf die Schliessung der Kunstmuseen während den Corona-Lockdowns.


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Kunst und Pflegeberufe: Installation von Sun Yuan und Peng Yu, «Das Seniorenheim», Lebensechte Skulpturen in unentwegt, ziellos herumfahrenden, elektrischen Rollstühlen, Kunstsammlung Sigg / Ausstellung «Chinese Whispers», Zentrum Paul Klee, Bern, 2016


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Diversität und Kunst: Ein Aufruf gegen Rassismus und gegen jede Form von Diskriminierung. Der Künstler Oliviero Toscani fotografierte 1996 für eine globale Plakat-Aktion der Firma Benetton drei menschliche Herzen.


Kunst lehrt Empathie

Was von Außenstehenden oft übersehen wird, ist die Fähigkeit von Pflegepersonen, den Körper und die Mimik von Patienten und ihren Angehörigen zu lesen, denn eine Diagnose beispielsweise, kann eine ebenso große psychische Belastung darstellen wie die Symptome einer Krankheit. Es gibt grosse Unterschiede zwischen «Schauen» und «Sehen». Das tatsächliche Sehen und Erkennen, ist eine aktive und dynamische Synthese von Informationen, um Schlussfolgerungen zu ziehen, während das Schauen eher passiv und distanziert bleibt. Die kreative Auseinandersetzung mit kulturellen Inhalten und die künstlerische Umsetzung eigener innerer Bilder, sind hervorragende Mittel, um das «aktive empathische Sehen» zu trainieren und unsere diagnostischen Fähigkeiten zu schärfen.


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Menschliche Aggregatzustände: Die Videoinstallation «ex vivo - in vitro» von Frantiček Klossner erinnert an eine Sammlung von anatomischen Präparaten in einem medizinhistorischen Museum. In Flüssigkeit eingelegt, isoliert, konserviert und voneinander getrennt, entdecken wir menschliche Körper und sprechende Köpfe, die sich wie eingeschlossene Geister in großen Glaskolben bewegen. Die Situation deutet an, was Isolation mit der Psyche eines Menschen macht.

 

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Das Ich im Übergang: «Melting Selves», Franticek Klossner, gefrorene Selbstporträts in Eis, Werkreihe seit 1990


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Exkursion im Rahmen des Kunstprojekts:

Medical Humanities

Das Musée de la main UNIL-CHUV  in Lausanne ist das einzige Schweizer Museum, das sich explizit dem Dialog von Kunst und Medizin widmet. Kunsthistoriker*innen, Mediziner*innen und Forscher*innen haben sich zusammengetan, um einen Ort der Kultur zu schaffen, der es allen ermöglicht, aktuellste wissenschaftliche und soziale Themen im Geiste der Offenheit, des Dialogs und der Neugier zu erkunden. Das Team arbeitet eng mit der Universität Lausanne UNIL, dem Universitätsspital CHUV und der École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL zusammen. Das Museum wurde 1997 vom bekannten Schweizer Handchirurgen Claude Verdan gestiftet.

 

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Inputreferat:

Medizingeschichte im Spiegel der Kunstgeschichte

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Pflege im antiken Griechenland: Das Marmor-Relief schildert in drei simultan dargestellten Szenen den erfolgreichen Fortgang einer Heilung. Es trägt die Inschrift: «Archinos hat dieses Relief dem Amphiaraos geweiht». Szene in der Mitte: Der verletzte Archinos hat sich zum Heilschlaf niedergelegt; eine Schlange leckt ihm die verletzte rechte Schulter. Szene links: Im Traum tritt der Heilgott Amphiaraos hinzu und führt – ruhig auf den Asklepios-Stab gestützt – eine Pflegehandlung an der Schulter durch. Unklar bleibt, ob der Heilgott einen Skalpellschnitt setzt oder eine Salbe appliziert. Szene rechts: Der gesunde Archinos hebt zum Beweis für seine Heilung die rechte Hand und deutet auf die Tafel im Hintergrund. Damit zeigt er den Ort der Heilung an, das Amphiareion von Oropos, einem in der Antike bekannten Kurort mit Orakelstätte. Die Heilstätte stand in Konkurrenz mit dem Asklepieion von Epidauros, dem wohl wichtigsten medizinischen Zentrum der Antike im Mittelmeerraum. Die griechische Medizin beeinflusste die Geschichte der europäischen Medizin für mehrere Jahrhunderte. Philosophen wie Hippokrates von Kos schufen mit ihrem Denken eine Basis für neue Betrachtungsweisen. So wurden Krankheiten nicht mehr als eine "göttliche Strafe" betrachtet und die Medizin wurde allmählich als eine Wissenschaft verstanden.


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Quacksalberei im Mittelalter in Europa: Der niederländische Maler Hieronymus Bosch (1450-1516) versucht mit seinen Bildern die Bevölkerung aufzuklären und prangert die Machenschaften der Scharlatanerie an: Das Bild zeigt einen reichen Bürger, der sich von einem sogenannten «Steinschneider» behandeln lässt. Im Mittelater existierte der Volksglauben, dass «Wahnsinn» geheilt werden kann, wenn man die «Steine der Dummheit» aus dem Kopf entfernt. Meist gab die Familie oder die Kirche diesen Eingriff in Auftrag. Dem «Patient» wurde - ohne Narkose, versteht sich – die Kopfhaut geöffnet und so lange in der Wunde herumgepult, bis sich dem Quacksalber eine günstige Gelegenheit bot, einen mitgebrachten und im Ärmel versteckten Stein hervor zu zaubern. Der Künstler Hieronymus Bosch arbeitet in seinem Bild mit einer überaus deutlichen Symbolsprache um die Bevölkerung aufzuklären: Den «Steinschneider» hat er als unwissenden Narr dargestellt. Er trägt einen Trichter verkehrt herum als Kopfbedeckung. Damit macht der Künstler klar, dass kein Wissen in diesen Kopf gelangen kann. Die Nonne macht vom Buch der medizinischen Wissenschaft einen ähnlich unsinnigen Gebrauch: Sie trägt das verschmähte Wissen als «Narrenkappe» auf ihrem Kopf. Der Künstler hat ihr einen Geldbeutel in Form einer Kröte an die Seite gemalt, womit er sie als geldgierig darstellt. Wahrscheinlich hat sie zusammen mit dem Dominikaner-Mönch den «Patient» vermittelt und wartet nun auf ihre Provision. Der lederne Geldbeutel des Patienten verrät, dass er vermögend ist. Links hinter dem Kopf des Scharlatans erkennt man einen Galgen. Eine Warnung des Künstlers, dass solche Quacksalberei bestraft werden sollte. Allerdings zeigt die Entfernung des Galgens, dass eine Verurteilung wohl selten oder nie passierte. Um die Aussage des Bildes unmissverständlich zu verstärken, hat der Künstler sein Werk mit einem Spruchband eingefasst: «Meister, schneid mir die Steine raus ... mein Name ist dummer Dachs».


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DIe Entdeckung der modernen Anatomie: 1543 veröffentlichte der flämische Anatom und Chirurg Andreas Vesalius die «Sieben Bücher vom Bau des menschlichen Körpers». Er unterrichtete an der Universität von Padua. Aufgrund seiner Publikationen gilt er als einer der einflussreichsten Begründer der modernen Anatomie in der europäischen Medizin. Seine «Sieben Bücher vom Bau des menschlichen Körpers» trugen in der Epoche der Renaissance bzw. des Humanismus ganz wesentlich zur Aufklärung bei. Das erste Buch handelt vom Knochenbau des Menschen, das zweite von den Muskeln, das dritte von den Adern, das vierte von den Nerven. Die Bücher Fünf und Sechs befassen sich mit Unterleib und Brusthöhle, das Siebte schließlich mit dem Gehirn «als Werkzeug der Vernunft». In diesem siebten Buch liefert Vesalius eine detaillierte Beschreibung der Hirnventrikel, der Hirnhäute und der Adern, die das Gehirn versorgen, er unterscheidet zwischen der weißen und der grauen Substanz der Hirnrinde, beschreibt Strukturen wie Corpus Callosum, Cerebellum, Pons und Amygdala und widmet sich auch den Sinnesorganen.

 


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«Anatomie Lektion des Dr. Willem Röell», Cornelis Troost, Oel auf Leinwand, 1728
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Das «anatomische Theater» der Universität Leiden, Anfang des 17. Jahrhunderts, Zeitgenössischer Kupferstich von Willem Swanenburgh nach einer Zeichnung von Jan Cornelisz, 1610

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«Die Operation», Das barocke Ölgemälde des neapolitanischen Künstlers Gaspare Traversi eröffnet einen drastischen Blick auf einen Galleneingriff. Das Werk entstand 1753, in jenem Jahr als der französische Aufklärer Denis Diderot seine Abhandlung «Von der Interpretation der Natur» erstmals veröffentlichte. Es war die Epoche der Aufklärung, der geistigen und sozialen Reformbewegungen in Europa. Wissenschaftliche Entdeckungen waren nicht mehr nur der Oberschicht vorbehalten. Doch das neu erlangte Wissen war nicht in allen Kreisen willkommen. In diesem Kontext kann «Die Operation» auch als ein Kommentar zum Kampf zwischen Wissenschaft und Glauben verstanden werden. Der Patient wurde von Gaspare Traversi in den Farben Blau und Weiss als religiös spirituell dargestellt. Der Operateur und sein Helfer symbolisieren in rötlichen Erdfarben das rationale Denken wissenschaftlicher Bestrebungen. Die Frau im Hintergrund scheint für den Patienten zu beten. Gleichzeitig verschließt sie jedoch die Augen vor der Realität. Der Operationshelfer fixiert den Arm des Mannes. Die geballte Faust, vom Schmerz verkrampft, scheint «nach dem Himmel zu greifen» und verweist auf die revolutionären politischen Umwälzungen jener Zeit. Im übertragenen Sinn sagt das Bild: «Die Wissenschaft überwältigt althergebrachte Ideologien».


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Inputreferat:

Kulturgeschichte der Pandemien

„Das hat es noch nie gegeben” ... diesen Kommentar hörten wir im Februar 2020 oft. Doch das Phänomen der Pandemien prägt unsere Kulturgeschichte bereits seit Jahrtausenden. Nur wenige von uns haben innerhalb ihres Lebens schon einmal miterlebt, wie sehr eine Seuche und die gegen sie ergriffenen Präventionsmassnahmen, den eigenen Alltag und das Zusammenleben verändern. In früheren Zeiten ging es nicht um Covid-19, sondern um Krankheiten wie die Pest, Pocken, Tuberkulose, Cholera oder Aids. Alle diese Pandemien haben unsere Gesellschaft und Kultur massgeblich verändert und geprägt.


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Pandemien prägen unsere Kulturgeschichte: In Giuseppe Verdi’s 1853 uraufgeführten Oper «LA TRAVIATA» stirbt die Hauptfigur an Tuberkulose.
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Die albanische Opernsängerin Ermonela Jaho in ihrer sensationellen Performance als sterbende Violetta in Giuseppe Verdis «La Traviata» am Royal Opera House in London, 2008
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STOP AIDS Präventionskampagne 2006: Eishockey-Spieler, Fechterinnen, Motorrad-Rennfahrer ohne Schutzanzüge vermitteln das Bild der Verwundbarkeit.
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TV-Moderator Charles Clerc überrascht am 3. Febr. 1987 das Fernsehpublikum, indem er zum Auftakt der STOP AIDS Kampagne in der Schweizer Tagesschau den Gebrauch eines Kondoms erläutert …
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Präventionskampagne 1920, aus: «Langstein-Rott, Atlas der Hygiene des Säuglings und Kleinkindes»
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Die Pest in Bern: In den Jahren 1349, 1355, 1367, 1395, 1411, 1419, 1439, 1478, 1482 und 1493 wurde die Stadt Bern von schwerwiegenden Pestwellen heimgesucht. Bereits die erste Welle  führte zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. In Bern starben pro Tag bis zu 60 Menschen. Um die Bevölkerungsverluste teilweise durch Zuwanderung auszugleichen, wurden die Niederlassungsbestimmungen massiv erleichtert. Die Einwohnerzahlen erholten sich jedoch erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Ein Drittel der europäischen Bevölkerung wurde vom «Schwarzen Tod» dahingerafft. In dieser Zeit entstand die Kunstgattung des «Totentanzes» (Danse macabre). In wirkmächtigen Bilderzyklen wurde das Trauma der überlebten Pandemiewellen verarbeitet: Skelette tanzen einen Reigen mit Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Der Papst muss genauso mit dem Tod tanzen, wie der Kaiser, der Ritter oder der Bürgermeister. (Bild oben: «Berner Totentanz» von Niklaus Manuel Deutsch, 1516, nach einer Kopie von Albrecht Kauw, 1649)


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Der in Basel geborene Arnold Böcklin (1827-1901) war einer der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts in Europa. Pandemien brachten großes Leid über seine Familie: Sein erster Sohn starb 1854 an der Cholera, ein weiterer Sohn starb 1858 an Typhus. In seinem Gemälde «Die Pest» (1898) inszeniert der Künstler den „Schwarzen Tod“ als Bedrohung der menschlichen Existenz und als Symbol der Unausweichlichkeit und Grausamkeit von Pandemien.


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KUNST ALS MEDIZIN: In den Selbstportraits von Vincent van Gogh wird sein Überlebenswillen und die Auseinandersetzung mit seiner Erkrankung besonders deutlich. In den Briefen an seinen Bruder Theo und an seine Schwester Wilhelmine schrieb er: «Die tägliche Arbeit an meinen Bildern ist zur Genesung unverzichtbar. Jeden Tag benötige ich diese Medizin». (Bild: Vincent van Gogh, Selbstportrait, «à mon ami Paul Gauguin», 1888)


Inputreferat:

Kreativität und Krankheit

Der schwedische Chirurg und legendäre Rektor der Universität Lund, Philip Sandblom, verband die medizinische Forschung mit seiner Leidenschaft für die Kunst. Mit dem vielbeachteten Buch «Kreativität und Krankheit - Vom Einfluss körperlicher und seelischer Leiden auf Literatur, Kunst und Musik», untersuchte er die Auswirkungen von physischen oder psychischen Erkrankungen auf die Kreativität von prominenten Künstlern unter neusten wissenschaftlichen Perspektiven. Krankheiten können paradoxerweise für das künstlerische Schaffen motivierend und fruchtbar sein. Das gesteigerte Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit kann für Kunstschaffende zum Anstoss werden, «das zu tun, was ihnen am wichtigsten ist». Körperliches oder psychisches Leiden kann somit zum Auslöser werden, für künstlerische Höchstleistungen.

 

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Der schwer erkrankte Künstler Henri Matisse arbeitet sitzend in seinem Bett, 1950

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Für die Recherchen zu seinem Buch, befragte Philip Sandblom auch den befreundeten Maler Henri Matisse. Der Künstler kämpfte nach einer Krebsoperation mit schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigungen. Matisse erläuterte gegenüber Sandblom, wie diese Erfahrung seine Einstellung zur Kunst radikal veränderte: «Er wolle dieses Leben, das ihm nun ein zweites Mal geschenkt worden sei, mit so viel Freude wie nur möglich ausstatten. Unter Blut, Schweiss und Tränen habe er der modernen Kunst am Anfang seiner Laufbahn neue Wege gewiesen - jetzt aber wolle er sich das Vergnügen gönnen, diese Wege noch einmal leichten Herzens zu beschreiten, ohne ständiges Ringen und Kämpfen». In den folgenden 13 Jahren des «geschenkten Lebens», wurden seine Werke von einer überbordenden Lebenslust und Farbigkeit durchflutet. Matisse selbst war von der positiven Ausstrahlung seiner Farben und ihrer Heilkraft so sehr überzeugt, dass er seine Käuferinnen und Käufer dazu aufforderte, seine Bilder über ihre Betten zu hängen.

 


BZ Pflege Bern Kunstprojekt

Bei Fragen zum Kunstprojekt,

zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren ...

Das Projekt wird unterstützt durch die

Kulturförderung des Kantons Bern

in Kooperation mit der

Stanley Thomas Johnson Stiftung


Kunst lehrt aktives empathisches Sehen