Skulpturen in Wilderswil setzen ein Zeichen für kulturelle Teilhabe und Partizipation


Insgesamt 40 Berufsschülerinnen und -Schüler des Bildungszentrums Interlaken BZI, die sich in der Ausbildung zur Fachfrau, resp. zum Fachmann Gesundheit (FAGE) befinden, haben an der Gestaltung des neuen Nationalstrassenkreisels in Wilderswil mitgewirkt. Entstanden sind vier grosse Eisenplastiken im Laserschnitt-Verfahren. Die Skulpturen sind explizit für die Betrachtung aus der bewegten Perspektive (aus dem fahrenden Wagen) konzipiert. Beim Umfahren der Skulpturen entsteht ein faszinierender Tanz von Silhouetten und Überlagerungen. Durch die Technik des Laser Cuttings und die detailreiche Ornamentik, verweisen die Skulpturen auch auf die im Berner Oberland stark verwurzelte Volkskunst des Scherenschnitts.


Ornamentik der menschlichen Anatomie

Ausgangspunkt für die Umsetzung der detailreichen Bildelemente war die «Anatomie des menschlichen Körpers». Wissenschaftlich-medizinische Darstellungen dienten den Schülerinnen und Schülern als Vorlage zur Entwicklung abstrakter Ornamente und filigraner Schattenrisse. Diese wurden im Laserschnitt-Verfahren als grossformatige Metallskulpturen in Cortenstahl umgesetzt.

Die vier Skulpturen lassen deutlich erkennen, dass theoretisches Fachwissen im Rahmen einer Berufsausbildung in künstlerischer Weise vermittelt und neu erfahrbar gemacht werden kann. Im Zusammenwirken der 40 Schülerinnen und Schüler ist hier ein äusserst spannendes Werk entstanden, das auch exemplarisch ein Zeichen setzt, für die kulturelle Teilhabe und Partizipation in unserer Region.


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Pflegefachkräfte realisieren Kunst im öffentlichen Raum

Die Wilderswiler Skulpturengruppe ist hervorgegangen aus einem preisgekrönten Schulprojekt, das erstmals 2018 am Bildungszentrum BZI stattgefunden hat und im Kunsthaus Interlaken in einer vielbeachteten Ausstellung präsentiert wurde. Das interdisziplinäre Schulprojekt «Kunst und Medizin / Kultur und Pflege» wurde vom Berufsschullehrer Urs Schürch zusammen mit dem Künstler Frantiček Klossner explizit für den Fachbereich der Gesundheitsberufe entwickelt. Das Projekt wurde im Rahmen des Innovationswettbewerbs «Kunst an Schulen» von der Erziehungsdirektion des Kantons Bern als modellhaftes Bildungsprojekt ausgezeichnet und durch die Kulturförderung des Kantons Bern in Kooperation mit der Stanley Thomas Johnson Stiftung finanziert. Mit dem Innovationswettbewerb «Kunst an Schulen» fördert der Kanton Bern herausragende Vermittlungsprojekte, die in enger Partnerschaft zwischen Schulen und Kulturschaffenden entstehen. Die Projekte sollen den Schülerinnen und Schülern eine vertiefte Auseinandersetzung mit kulturellen und gesellschaftlichen Themen ermöglichen.


Eröffnungsrede von Nina Kollöffel, 19.Sept.2020

 

Sehr geehrti Dame bis Herre

Ja dir heit richtig ghört ...

ig ha gseit bis und nid und.

So wie Kunst kei Grenze het,

het ou z Gschlecht kei Grenze

und es git meh als nur Frou und Ma.

Wertschätzig, Empathie und Kongruenz

si i üsem Bruef als Fachlüt Gesundheit

eh wichtigi Grundlag.

Die Grundhaltig sötte mir

nid nur i üsem Bruef ha,

sondern i allne Beriche vom Lebe.

Mir sötte jede Mönsch ohni Vorurteil

chönne kenne lerne und ou Kunst

ohni Vorurteil probiere z verstah.

Es isch wichtig,

sini eigeti Meinig chönne z bilde,

Gfüehl und Gschicht derhinder chönne z verstah.

Oder d Überlegig vo de Kunstschaffende ahz'lose.

Das Kunscht-Projekt am BZI

het mir und vilne andere Mitschüeler*inne

das Gfüehl und die Haltig mit ufe Weg gäh.

So isch ou chli dr Rouewächsu gsi

vor Pflegeperson zur Künstler*in.

Als Künstler*in chame sis Objekt beliebig umgstalte

und verändere wi'es eim passt.

Die anatomischi Form spielt hier nur no eh chlini Roue.

Es geit viu meh um’d Ästhetik.

Im Bruef hingäge hei mir Patziänt*inne

wo mir nid eifach chöi verändere.

Und genau drum

müglechst ohni Vorurteil

probiere z’anerkenne und z’wärtschätze.

Dr’Franticek Klossner het üs

während em Kunstprojekt begleitet

und üsne Gedanke ufd Sprüng gholfe

damits ines visuells Kunstwerk

het chönn verwürklechet wärde.

Är het scho einigi bewunderns’wärti

und töifgründigi Kunstwerk hergstellt.

Das wo üs Schüeler*inne am meiste isch im Gedächtnis blibe,

isch z’Sälbstporträt us gfrorenem Iiiis,

wo chopfüber ine Klangschale tropft und schmilzt.

Es verzellt sone berüehrendi, zum nachedenke und gfüehlsvolli Gschicht.

Ou d Gschicht vom Tim Steiner het üs fasziniert.

Dr belgisch Künstler Wim Delvoye

het dr ganz Rügge vom Tim tättowiert.

Und e Kunstsammler us Hamburg

het si Rügge für viel Geld abkouft.

Jetze hocket dr Tim ds ganze Jahr

i’verschiedene Musee uf dr ganze Welt.

So wie d Kunst verschiedeni Aspekt het

im Sinn vo Tanz, Theater, Fotografie, Style, Musik und no vielem meh,

isch ou jede Mönsch einizgartig und ganz ussergwöhnlech.

Mir si ä Generation

wo Geschlechterrolle

und Gschlechterbilder

nümme vo unnötige Vorurteil

laht la bestimme.

Es git meh als numä Genitalie

wo dr Mönsch und sini Idenität usmacht.

Vielmeh sötte mir druf lose

was üs e Person verzellt

und als was die Person wetti wahrgnoh wärde.

Das isch oh grad eh chlini Iihleitig

zum euch verzelle,

warum ig d’Klitoris als Bild ha us’gwählt

als Teil vo de Skulpture

wo mir jetzt chöi iihweihe:

Wie stellet dir euch d Klitoris vor?

Vilicht als es chlises runds Chügeli

wo als «Schwellkörper des weiblichen Genitals»

bezeichnet wird…

So isches ömu mir gange

da üs idr’Grundschuel

nur settigi Bilder zeigt si worde.

Aber es isch viu meh als das.

Wo ig mi meh mit Feminismus,

mit dr’Sexualität

und allgemein

meh mit dr’Anatomie ha usenand gsetzt,

isch mir schnell mal bewusst worde

das ig d’Klitoris meh wett ent-tabuisiere.

Ig möchts de Mimönsche

glich i Chopf ipräge

wie die Penisse wo geng überau

sie ufd’Schuelbüecher

oder ad’WC-Wänd zeichnet worde.

D Klitoris verzellt für mi

e viu grösseri G’schicht

als nur die wiblechi Lust.

Si isch für mi ou es Symbol

vor Revulution, Gliichstellig

und Feminismus !


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Umfahrung Wilderswil - Ein Jahrhundertbau

Die Gesamtplanung der Umfahrung Wilderswil setzt als multifunktionales Jahrhundertprojekt wegweisende Synergien frei. Kernstück bildet die neue Verkehrsführung, die das Dorf Wilderswil vom ständig wachsenden Verkehrsaufkommen zu den Feriendestinationen in den Lütschentälern und zum Bergsteigerdorf Grindelwald entlasten wird. Gleichzeitig konnten zwei weitere wichtige Bauprojekte für die Region umgesetzt werden: Der Direktanschluss an das Gewerbegebiet Flugplatz und die Fertigstellung der Hochwasserschutz-Massnahmen. Mit dem 540 Meter langen Strassentunnel konnte eine innovative Lösung für den Hochwasserschutz entwickelt und umgesetzt werden. Der Tunnel wird künftig bei massivem Hochwasser als Abflusskorridor für anders nicht zu bewältigende Wassermengen dienen. Damit wird das umfassende Schutzkonzept Lütschine-Bödeli gleichzeitig mit der Fertigstellung der neuen Strassenführung abgeschlossen. Mit der Realisieurng dieses Jahrhundertbaus kann sich die Region am Eingang zu den Lütschentälern in Zukunft sicherer, wirtschaftlicher und lebenswerter entwickeln.

 


Einweihung: Samstag, 19. September 2020

Marianna Lehmann, Gemeindepräsidentin Wilderswil

Christoph Neuhaus, Berner Regierungspräsident

Nina Kolloeffel und Chiara Zaugg, Bildungszentrum Interlaken BZI

Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen ASTRA

Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen

Peter Aeschimann, Gemeindepräsident Matten

 

Partizipatives Kunstprojekt:

Schülerinnen und -Schüler des Bildungszentrums BZI

unter der Leitung des Berufsschullehrers Urs Schürch

Künstlerisches Konzept: Franticek Klossner

Architekt: Sven Kellenberger, Dimension X Architekturbüro SIA, Bern

Metallarbeiten & Laser Cutting: Berger Apparatebau AG, Steffisburg

Projektleitung: Mathias Boss, RK Oberland

Kommission: Marianna Lehman, Gemeindepräsidentin Wilderswil

Peter Aeschimann-Balmer, Gemeindepräsident Matten

Lisa Randazzo-Anneler, Gemeinderätin

 

Gesamtplanung:

Umfahrung Wilderswil: Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis I

Hochwasserschutz: Schwellenkorporation Bödeli Süd, Projektleitung: Flussbau AG

Direktanschluss: Gemeinde Wilderswil, Gemeinde Matten, BOB, ASTRA

Projektleitung: Mathias Boss, Geschäftsstelle Direktanschluss