Narziss Spiegelbild Narcissus Reflection Narcisse et son reflet

Der Spiegel des Narziss


Kunsthalle Tirol Taxispalais Innsbruck

01. Dez. 2012 - 10. Febr. 2013

kuratiert von Maren Welsch und Beate Ermacora, Künstler: Barbara Bloom, Felix Burger, Luis Camnitzer, Niklas Goldbach, Conny Habbel, Katja Hammerle, Ely Kim, Jürgen Klauke, Franticek Klossner, Urs Lüthi, Bjørn Melhus, John Miller, Olaf Nicolai, Helmut Schober, Johanna Smiatek, Anan Tzuckerman, Wainer Vaccari

Die Kunsthalle Taxispalais in Innsbruck präsentiert eine große Schau mit internationaler Beteiligung samt umfangreichem Katalog, die das beliebte Narziss-Thema nicht nur unter der mytho­logischen Prämisse – Narziss gilt als Pate der Malerei – oder als ­spiegelbildliche Erzählung der Freud’schen Psychoanalyse liest, sondern insbesondere ins Verhältnis der Gender-Debatten setzen will. Erst mit der Aufweichung der Geschlechterrollen, so eine der Thesen, ist die körperliche Selbsterfahrung aus männlicher Sicht ins Spiel gekommen, die mit eitler Selbstbespiegelung einen völlig anderen Teil des Wesens der Gefühle, zwischen Verweigerung und Größenwahn, ganz unverholen und ­radikal zur Schau bringt. Fernab der Klischees vom männ­lichen Rollenverhalten ist ein ­weitreichender sozialer Wandel auszumachen, der sich erst in den letzten Jahren vollzogen hat und gesellschaftliche Befindlichkeiten aktuell ganz anders darstellt als noch im letzten Jahrhundert.



Franticek Klossner - Gegenwartskunst - Taxispalais Innsbruck - Der Spiegel des Narziss - Videokunst - Video Art - Sehnerv Germany Austria Switzerland
Ausstellungsansicht, Taxispalais Kunsthalle Tirol, Der Spiegel des Narziss, Installationen von Urs Lüthi und Franticek Klossner

Narziss in der Kunst der Gegenwart

The Mirror of Narcissus

From Mythological Demigod to Mass Phenomenon

Edition Snoeck, Cologne, 2012

Exhibition catalogue, edited by Beate ­Ermacora, Maren Welsch
texts (German/English) by Julia Brennacher, Lotte Dinse, Beate Ermacora, Christian Hartard, Silvia Höller, Markus Neuwirth, Susanne Petersen, Dieter Ronte, Jürgen Tabor, Peter Weiermair, Maren Welsch, Sylvia Zwettler-Otte

Artists: Barbara Bloom, Felix Burger, Luis Camnitzer, Niklas Goldbach, Conny Habbel, Katja Hammerle, Ely Kim, Jürgen Klauke, Franticek Klossner, Urs Lüthi, Bjørn Melhus, John Miller, Olaf Nicolai, Helmut Schober, Johanna Smiatek, Anan Tzuckerman, Wainer Vaccari



Die Rolle des Individuums, die Frage nach dem Ich und dem Selbst bilden zentrale Themen, die dem Begriff ‚Narzissmus' über die Psychoanalyse zu seiner großen Bedeutung in den westlichen Gesellschaften verhalfen. Sie werden auch in der zeitgenössischen Kunst auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht. Traditionell wurde Narziss zumeist in Verbindung mit weiblich konnotierten Verhaltensmustern gesehen und dementsprechend in der bildlichen Darstellung tabuisiert. Erst mit dem Aufbrechen der Geschlechterrollen wurde Selbsterfahrung auch aus männlicher Sicht thematisiert. Selbstbespiegelung und -darstellung ebenso wie der Umgang mit Gefühlen zwischen Verweigerung und Größenwahn sind in diesem Zusammenhang wiederkehrende Motive. Ausgehend von der mythologischen Figur des ‚Narziss', unter Einsatz verschiedener Medien wie Malerei, Skulptur, Installation, Performance, Fotografie oder Video thematisiert die Ausstellung aber nicht nur Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis, Klischees und männliches Rollenverhalten, sondern auch den sozialen Wandel, der sich in den letzten Jahren vollzogen hat, und beleuchtet aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeiten. Die Ausstellung umfasst 17 internationale Positionen, die den Bogen von den 1970er Jahren bis heute spannen, das alte Thema umpolen, aus aktuellen Blickwinkeln facettenreich und neu interpretieren und dabei kritisch hinterfragen.


Le nu masculin dans l’art contemporain - Narcisse et Echo - Narcissus and echo in contemporary art

The Mirror of Narcissus

A major exhibition with inter­national participants is set to grace the Kunsthalle Taxispalais in Innsbruck. Accompanied by an extensive catalogue, it intends to interpret the popular Narcissus theme, not merely from the mythological angle – Narcissus is considered to be the godfather of painting – or as a mirror image of Freudian psychoanalysis – but in particular to place the theme in the context of gender discourse. According to one of the theses, it is only through the blurring of gender roles that a masculine physical self-awareness has come into play, which, with vain self-reflection, blatantly and radically parades a different part of the essence of feeling, some­where between denial and delu­sions of grandeur. Removed from the stereotype of male behavioural roles, it is possible to discern a far-reaching social change, which has only taken place in recent years and represents a set of current social sensibilities markedly different from those that obtained in the previous century.


Austria - Interactive Video Art - Taxispalais Innsbruck

Narcissus and echo in contemporary art - The Mirror of Narcissus - Narziss und Echo in der zeitgenössischen Kunst – Videokunst interaktiv

Nackter Mann im Wald - Naked Man in forest

Schlaf der Vernunft

Susanne Petersen, Katalogtext, Taxispalais Innsbruck, 2012

Vor frisch aufgeschlagenem, harzig duftendem Holz steht zur Interaktion ein Mikrofon bereit. Wer seine Scheu überwindet und hineinspricht, entdeckt eine intime und irritierende Welt: In kurzen narrativen Videosequenzen sieht sich das Publikum mit einem nackt im Wald schlafenden Jüngling konfrontiert. Zusammengerollt liegt er im Moos, im Laub oder in einer Höhle. Der Jüngling reagiert eher mürrisch auf die Rufe der Ausstellungsbesucher, dreht sich vom Betrachter weg oder richtet sich auf, um sich dann doch zu entfernen. Er scheint sein Lager nur zu verlassen, um es gegen ein ruhigeres einzutauschen, wo er wiederum vom Publikum aufgeschreckt wird. Klossners Installation entstand für die Sammlungspräsentation "Innovation und Tradition. Die Kunst der Mobiliar" im Kunstmuseum Bern 2001 als zeitgenössische Variation zu "Der Holzfäller" (1910) von Ferdinand Hodler. Hodlers Gemälde zeigt einen Mann etwa gleichen Alters wie Klossners Jüngling, allerdings beim Fällen eines jungen Baumes im Moment des äußersten Schwungholens. Mit angespannten Muskeln, das Ziel fest im Blick wirkt er wie das Gegenteil von Klossners Männerbild. Das mag als Antipode auf den ersten Blick humorig erscheinen, doch zeigt uns Klossner keinen entspannten Faulenzer. Rastlos dreht er sich im Halbschlaf, bis er ein weiteres Mal vom Ausstellungsbesucher in seiner Suche nach Ruhe gestört wird, um scheinbar ziellos weiter durch Natur und Höhlen zu streifen. Hodlers Baum ist längst gefällt und schweres Gefährt hat den heutigen Waldboden durchwühlt. Die harte Waldarbeit vergangener Zeiten wird diesem Mann in der technisierten Moderne nicht mehr abverlangt. Wie in einem Tagtraum träumt er sich in die Natur, doch Romantik kommt nicht auf. Seine verlassenen Sehnsuchtsorte wurden bereits von anderen entdeckt. In die Felsenhöhle gekratzte Inschriften zeugen davon: Die Zivilisation ist schon da. Klossners Jüngling scheint zerrissen zwischen überkommenen Handlungs- und gegenwärtigen Erwartungsmustern, die der Besucher in ihm immer wieder wachruft. Vergangene Werte haben an Wert verloren; doch muss er etwas machen – und dreht sich dann lieber doch noch einmal um. In dieser Tragik liegt in Klossners Jüngling ein narzisstisches Element – die narzisstische Kränkung den verinnerlichten Erwartungen und Ansprüchen nicht entsprechen zu können. Das von Hodler in Szene gesetzte Männerbild ist inzwischen differenzierter, da Ideale wie Selbstverwirklichung und eigenverantwortliche persönliche Weiterentwicklung neue Maxime und gesellschaftliche Pflicht geworden sind. Die vielbeschworene Formel der Individualität und Freiheit des Individuums entpuppt sich in der Leistungsgesellschaft aber als ein Euphemismus, für den die schlaflose Suche von Klossners Jüngling als symptomatisch angesehen werden kann: Durch die Anstrengung sich selbst verwirklichen zu müssen stellt sich erst Erschöpfung, dann Leistungsminderung ein, was als Vorwurf des Versagens dann gegen sich selbst gerichtet wird. Die daraus resultierende Müdigkeit führt nicht in einen erholsamen Schlaf, sondern in die Isolation. Narzissmus, als gesunde Form der Selbstliebe, kann sich unter dem Druck einer Leistungsgesellschaft leicht gegen das Individuum wenden. Mit seiner Installation "Wie Du in den Wald rufst" zeigt uns Franticek Klossner das individuell verinnerlichte Funktionsprinzip unseres Gesellschaftssystems: Jeder ruft jeden, auch sich selbst, dazu auf, etwas zu tun, weshalb sich in jedem Einzelnen "Ausbeutender und Ausgebeuteter" vereinen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir diesen internalisierten Kampf führen möchten.



Narcisse et son reflet

Le musée d’art Taxispalais d’Innsbruck présente une grande exposition avec participation internationale et catalogue complet qui reprend le thème en vogue de Narcisse du point de vue initial de la mythologie – ­Narcisse est considéré comme le ­patron des peintres – et comme récit inversé de la psychanalyse freudienne, mais aussi et surtout qui cherche à le replacer par rapport aux débats autour des genres. C’est avec le relâchement des rôles dévolus à chaque sexe, selon l’une des thèses présentées, que le développement personnel du corps du point de vue des hommes aurait fait son apparition, affichant radicalement sans plus se ­dissimuler le moins du monde avec une vaniteuse auto-admiration une part toute autre de la nature des sentiments, entre refus et folie des grandeurs. Mais loin des clichés sur le comportement mas­culin, c’est une transformation ­sociale de grande ampleur dont il faut convenir, qui ne s’est accomplie que depuis quelques années et représente aujourd’hui l’esprit de la société d’une manière très différente du siècle dernier.


the naked male body in contemporary art - Masculinite dans l'art contemporain

Des hommes et la forêt

Musée Château de Nyon

du 11. 04. 2014 au 26. 10. 2014

Exposition réalisée par Vincent Lieber et Alexia Ryf, Artistes: Pierre-Alain Bertola, Pierre Golay, Fabian Gutscher, Alain Huck, Eva Jospin, Franticek Klossner, Raquel Maulwurf, Josef Felix Müller, Antoine Roegiers, Alison Elizabeth Taylor, Not Vital et Zaric, L'exposition est accompagnée d'un catalogue.



Le nu masculin dans l'art contemporain


chateau de nyon - Musee historique et des porcelaines - des hommes et la foret

the male nude in contemporary art


contemporary male nude - L'homme nu dans l'art contemporain - Le nu masculin - der nackte Mann in der Kunst

Narziss und Echo in der zeitgenössischen Kunst