Schweizer Gegenwartskunst / Jubiläumsausstellung der Bernischen Kunstgesellschaft

Klossner Franticek - Videokunst - Kunstmuseum Bern - Schweizer Gegenwartskunst - Bernische Kunstgesellschaft BKG
Franticek Klossner, Videoinstallation, Kunstmuseum Bern, Schweizer Gegenwartskunst, Jubiläumsausstellung, 200 Jahre Bernische Kunstgesellschaft, 2013

Frantiček Klossner / Performative Videokunst

Realität und simulierte Realität drohen ununterscheidbar zu werden. Damit erweist sich Klossners Videoinstallation als eminent aktuelles Werk. Denn angesichts von virtuellen Welten oder aber auch gentechnischer Machbarkeit jetzt noch fiktiver Lebensformen ist die Erfahrung des Geltungsverlustes einstmals so evidenter Kategorien wie Echtheit und Fälschung, Sein und Schein, Wirklichkeit und Möglichkeit für das späte 20. Jhd. zeittypisch und spezifisch. Mit diesen Begriffen spielt Klossners Videoinstallation geradezu leichtsinnig und vielleicht gerade deshalb überzeugend virtuos. So gerät man beim logischen Nachvollzug der installativen Zusammenhänge in Verwicklungen. Die Wellen, Wirkung des abschmelzenden Eiskopfes, erscheinen in der Reflektion des Wasserbildes auf der gegenüberliegenden Wand als Wirkung auf eben dieses Portrait in Eis, nämlich als „Ausfluten von gerichteter Blickenergie“. Und natürlich wissen wir, dass es die Raumtemperatur ist, die Klossners Eisportrait schmelzen lässt, aber wer könnte sich der Poesie der Vorstellung entziehen, es könnte diese Blickenergie sein, die das Schmelzen vollbringt, das in Wirklichkeit Urheber der Wellen ist? Der Ursachenzusammenhang stellt sich plötzlich genau andersherum dar und ist in ein absurdes Perpetuum Mobile umgebogen. In seiner Direktheit kann man das von Klossner entwickelte Wahrnehmungskarussell als Basis für ernsthafte ontologische Überlegungen sehr wohl ablehnen. Dann aber verschliesst sich einem auch die Schönheit dieser Kunstwelt, eben ihre künstlerische Qualität, die ihre Faktoren gerade aus dem Zusammenspiel gegensätzlicher Sichtweisen gewinnt. Der entscheidene Mitspieler, der Betrachter, wird hier gezielt auf die Probe gestellt. (Dr. Daniel Spanke, Kunstmuseum Bern)


Stefanie Christ / Berner Zeitung BZ / 19.09.2013

Die nach Epochen gegliederte Ausstellung lässt verschiedene Schlüsse über das Berner Kunstschaffen zu. Ab den Neunzigerjahren zeichnet sich eine Zunahme multimedialer Werke ab. Wunderschönes Beispiel: «Intervall vital» (1992) von Frantiček Klossner. Ein Abguss des Künstlerkopfs aus Eis hängt von der Decke. Das Schmelzwasser tropft in ein darunter liegendes Becken und verzerrt das Bild eines sich windenden Körpers, das auf die Wasseroberfläche projiziert wird.

Alexander Sury / Der Bund / 19.09.2013

Ein Wiedersehen mit brillanten Werken, die neben der bestechenden technischen Realisierung auch mit einer verspielten, hintersinnigen Haltung überzeugen: Franticek Klossners Videoinstallation «Intervall vital» mit dem schmelzenden Selbstporträt aus Eis oder Zimouns vibrierende und dröhnende Kartons auf einem EU-Palett, in deren Inneren Gleichstrommotore Sagexbällchen herumwirbeln.

Kunst der Gegenwart / Berlin Deutschland / Galerie Mönch / Frozen Self Portrait / Klossner Franticek / Frantiček

Museum of Fine Arts Bern

Kunstmuseum Bern