18. Februar - 02. April 2017

Das Selbstbild im digitalen Zeitalter

mit Werken von Tizian Baldinger, Jürgen Brodwolf, Niklas Goldbach, Tom Karrer, Franticek Klossner, Oliver Krähenbühl, Manon, Anuk Miladinović, Victorine Müller, Pat Noser, Andrea Nyffeler, Meret Oppenheim, Steven Schoch, Karoline Schreiber, Hannah Villiger, kuratiert von Claudia Waldner


Klossner Franticek - Generation Head Down - Das Selbstbild im digitalen Zeitalter - Videokunst - Video Art - Sehnerv - Bern Zürich Berlin

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Alice Henkes, Franticek Klossner und Claudia Waldner


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Kunsthaus Zofingen / Wer bin ich ?

 

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Videoreportage zur Ausstellung

 



Franticek Klossner - Kunsthaus Zofigen - Aargau - Swiss Contemporary Art - Gegenwartskunst - Sehnerv Videokunst - Bern Zürich Berlin - Frantiček

Generation Head Down

Der Begriff der Generation Kopf Unten leitet sich von der Körperhaltung ab, mit der viele, meist jüngere Menschen im Alltag unterwegs sind. Dabei ist ihr Blick und damit ihre Aufmerksamkeit auf ihr Smartphone gerichtet. Zur Ausstellung Ich nicht Ich / Das Selbstbild im digitalen Zeitalter, präsentiert Frantiček Klossner eine Videoinstallation, die das kollektive Selbstverständnis der Generation Kopf Unten in humorvoll sinnlicher Weise thematisiert. Dazu hat er fünf prominente Gäste zu einem unkonventionellen Meeting in den Festsaal des Kunsthauses eingeladen: Athene, die Schutzgöttin der Künste, Artemis, die wilde, unzähmbare Göttin des Mondes, Niobe, die klagende Königin von Theben, der römische Kaiser Claudius und der Götterbote Hermes, der griechische Gott der Redekunst und des Kunsthandels, haben sich im Saal versammelt und reden unentwegt in ihre Smartphones. Die Büsten (Leihgaben der Antikensammlung der Universität Bern) werden durch Projektionsmapping mit Videoperformances von Schauspielerinnen und Schauspielern zum Leben erweckt. Frantiček Klossner hat diese Technik bereits 1996 (ebenfalls in Verbindung mit antiken Büsten) in seiner vielbeachteten Videoinstallation "Herstory and History" angewendet und seither in zahlreichen Werken in Kombination mit vielen anderen skulpturalen Elementen stets weiterentwickelt. Zwischen den historischen Bildträgern und den darauf projizierten Bildern der Gegenwart, entsteht ein spannungsvolles Spiel von Überlagerungen, Deckungsgleichheiten, Abweichungen und Verschiebungen. Die Gesichter treten "aus sich heraus" und ziehen sich „in sich“ zurück, sie ruhen "bei sich" und geraten "ausser sich". Das Stimmengewirr, das von den sprechenden Büsten ausgeht, liefert ein prägnantes Sinnbild für die vernetzte Kommunikationsgesellschaft und die scheinbar nie abreissende Verfügbarkeit des Individuums im digitalen Zeitalter. In Klossners Textcollagen plaudern die fünf Protagonisten unablässig von "sich selbst in ihrer Welt", von einem vagen „Ich-Gefühl“ und von einem „Selbst“ das sich stets neu erfindet und optimiert. Alle reden "mit sich selbst" und "von sich selbst", miteinander, gegeneinander und aneinander vorbei. Damit entwirft der Künstler ein äusserst sinnliches und listiges Bild der Generation Kopf Unten.

Schauspiel: Eva Marianne Berger, Thimna Fink, Ben Gageik, Malte Homfeldt, Silvia-Maria Jung

Videoproduktion: Sehnerv Bern Zürich Berlin, Kamera: Tom Bernhard Rec TV, Media Engineering: Marc-André Gasser MAG Design

Leihgaben: Antikensammlung der Universität Bern


Kunsthaus Zofingen - Aargau - Aktuelle Schweizer Kunst - Swiss Video Art - Franticek Klossner
Generation Head Down, Frantiček Klossner, Videoinstallation, Kunsthaus Zofingen, 2017, Mitwirkende: Eva Marianne Berger, Tom Bernhard, Thimna Fink, Marc-André Gasser, Ben Gageik, Malte Homfeldt, Silvia-Maria Jung, Videoproduktion: Sehnerv Berlin Bern

Self-perception in the digital age

Always online mit gesenktem Blick, fasziniert vom sozialen Netz, streicheln wir das Fenster zur globalen Ferne weit häufiger als das Gegenüber in unserer Nähe. Aus der Handfläche, aus der sich andere Generationen die Zukunft haben lesen lassen, spricht das Smartphone zu uns: Wir sind die „Head Down Generation“! Von Medien durchdrungen, ertasten wir uns die Gegenwart zwischen realem Lebensraum und simulierter Realität. In fortwährender Rückkoppelung sind wir zeitgleich Sender und Empfänger an der Nabelschnur des globalen Versprechens. Die Sehnsucht nach Teilhabe lässt uns keine Ruhe. Getrieben von FOMO, der "fear of missing out", greifen wir im Minutentakt zum Display und vergegenwärtigen uns unsere Existenz. In Echtzeit teilen wir das Erlebte mit der ganzen Welt und hoffen auf Widerhall. Wir „liken“ uns, wir „googeln“ uns, wir „teilen“ und „zer-teilen“ uns. Das Bedürfnis nach Widerhall erinnert an „Echo und Narziss“ aus Ovids Metamorphosen: Ihrer Sprache beraubt, kann Echo nur das bereits Gesagte wiederholen. Sie „liked“ die Endungen von dem was Narziss zu ihr sagt. Gelangweilt von der Einseitigkeit des Gesprächs vertieft sich dieser in sein Spiegelbild und ertrinkt in seinen „Selfies“. Ovids Geschichte könnte sich auf Facebook zugetragen haben. Unsere Existenz benötigt Resonanz. Doch diese Resonanz bringt uns nur weiter, wenn sie reich an Fantasie und Neugier zur Selbstreflexion anregt. Im digitalen Raum werden wir von dem bestrahlt was wir selber bereits ausgestrahlt haben. Die unbewusste Projektion unserer Selbstbilder wird von ungleich mächtigeren Rückprojektionen beantwortet. Das Abbild, das wir von uns aussenden, wird als personalisierte Marktanalyse auf uns zurückgeworfen. Wer also seine Katze auf Facebook postet, muss sich nicht wundern, wenn es bei ihm bald „Katzen hagelt“. Indem wir den Suchmaschinen unsere Interessen anvertrauen, generiert sich die Daten-DNA, das Profil unserer Online-Präsenz, das uns im virtuellen Raum vorauseilt und unsere Fremdwahrnehmung prägt. Tausendfach registriert, verrät diese Online-Identität mehr über uns als uns lieb ist. Als analysierte Individuen werden wir zu Konsumenten degradiert. Die Rückprojektion der Selbstentwürfe zerlegt die Schritte unserer Individuation in Pixel und Bytes. In x-facher Zersplitterung versucht unser "Ich" sein "Selbst" zu bündeln und stellt sich täglich die Frage aus Richard David Prechts Bestseller: Wer bin ich ? ...und wenn ja, wie viele ?

(Text: Frantiček Klossner / Katalog zur Ausstellung / Ich nicht Ich / Kunsthaus Zofingen, 2017)


Kunsthaus Zofingen - Sammlung Carola und Günther Ketterer Ertle - Meret Oppenheim - Franticek Klossner - X Ray Self Portrait
Ausstellungsansicht, Selbstportraits in Röntgendurchleuchtung, Meret Oppenheim und Franticek Klossner aus der Sammlung Carola und Günther Ketterer Ertle

Franticek Klossner - X Ray Self Portrait

Das Skelett eines menschlichen Schädels, das sich lebhaft bewegt und uns aus seinen knochigen Augenhöhlen anschaut, wirkt beängstigend und irritierend. Leibhaftig ein Totenschädel, lebendig? Das unkonventionelle Selbstportrait ist in die klassisch anmutende Form eines Medaillons gefasst und verweist damit auf die Bildcharakteristik von Trauerschmuck aus den Nachkriegsjahren. Doch Frantiček Klossners Röntgen-Videoperformance ist ein Memento mori voller Selbstironie und spürbarer Lust am künstlerischen Experiment mit bildgebenden Medien aus der Medizin. Die beklemmenden Assoziationen werden deutlich kontrastiert von hintersinnigem Schalk und schwarzem Humor. Der Tod scheint uns sagen zu wollen, dass das Leben nach dem Tod genauso sinnlich und skurril ist, wie unsere widersprüchliche Existenz. / Text: Léonard Cuènoud, 2000


The Pictured Self

Franticek Klossner utiliza cámaras médicas y científicas de alta resolución y espejos distorsionados para dotar a sus trabajos de una sensación de magia. Redefiniendo los límites de la percepción visual, sus trabajos se convierten en declaraciones corporales de una franqueza fascinante. Especialmente sus primeros trabajos pueden considerarse como un nuevo género de estudios contemporáneos del retrato. Entre ellos "X-Ray Video" es sin duda uno de los más radicales. Para esta pieza el artista se ha radiografiado durante varios minutos para visualizar su cráneo y su estructura ósea interna, así como su mano. Su verdadero rostro queda entonces aniquilado por la imagen. Aquí es donde empieza la videoperformance: Klossner traga o aplica sobre su piel un contraste que vuelve visible la presencia física de la superficie, de la piel y los músculos. Da a su esqueleto una nueva cara, solo para volver a hacerla desaparecer un instante después. La tecnología de los rayos X es astutamente usada de una manera poética.


Kunsthaus Zofingen - Aktuelle Schweizer Kunst - Publikation - Texte - Alice Henkes - Claudia Waldner - Franticek Klossner
Katalog zur Ausstellung mit Texten von Alice Henkes, Franticek Klossner und Claudia Waldner

Das Selbstbild im digitalen Zeitalter

Die Ausstellung im Kunsthaus Zofingen fokussiert aktuelle Fragen zur veränderten Selbstwahrnehmung im digitalen Zeitalter. Always Online mit gesenktem Blick, fasziniert vom sozialen Netz, streicheln wir das Fenster zur globalen Ferne weit häufiger als unser Gegenüber. Der mediatisierte gläserne Mensch ist Tatsache geworden, wie es die Philosophen Jean Baudrillard, Paul Virilio oder Vilém Flusser bereits in den 80er Jahren in ihren Thesen formuliert hatten. In fortwährender Rückkopplung wird das Abbild das wir von uns aussenden als Marktanalyse auf uns zurückgeworfen. "Der Spiegel des Narziss" ist ein Wirtschaftsfaktor. Die psychische und soziale Individuation wird zur Suchbegriffsoptimierung. Die Spuren der Selbstfindung bleiben unauslöschlich im digitalen Gedächtnis eingebrannt. Die stetige Vergegenwärtigung der eigenen Existenz durchdringt den gesamten Körper. Aus der Handfläche, aus der sich andere Generationen die Zukunft haben lesen lassen, spricht das Smartphone zu uns. In x-facher Zersplitterung versucht das "Ich" sein "Selbst" zu finden und stellt sich täglich die Frage aus Richard David Prechts Bestseller: Wer bin ich ? ...und wenn ja, wie viele ?

(Textauszug aus: Your Body is a Touchscreen, Franticek Klossner)


La perception de l'identité à l'ère numérique


Ich nicht Ich?  - Müslüm liest aus Frantiček's Märchensammlung - Das Märchen von der Authentizität 


Alice Henkes, Kunstbulletin, April 2013

Klossner gelingt es, über poetische Bilder politische Themen zu verhandeln. Gern geht er die Mechanismen der Kunstwelt auch mit entlarvend frechem Witz an. In seinen Märchen, die er in einem Video vom Komiker Müslüm lesen lässt, durchleuchtet er die Gesten von Künstlern, Kritikern und Kuratoren. Mit Schalk knackt er deren Attitüdenpanzer und zeigt so, dass es ihm, wie jedem, der Satire mit Bedacht betreibt, sehr ernst ist mit der Kunst.


Kunsthaus Zofingen - Aargau - Aktuelle Schweizer Kunst - Performance - Videokunst - Märchen

Ali Baba und die 40 Kunstkritiker

Die surrealen Kurzgeschichten aus Frantiček's Märchensammlung, handeln von wahren und unwahren Begebenheiten in der Unterwelt der zeitgenössischen Kunstszene. Fantasiewelten und biografisch Erlebtes verflechten sich zum hintersinnigen Erfahrungsbericht eines Direktbetroffenen. Das am eigenen Leib erlebte, wird schonungslos offenbart. In der Ausstellung im Kunsthaus Zofingen werden Frantiček's Märchen in einer ersten Videofassung (von 2013) vom Musiker und Comedian Müslüm gelesen.

Produktion: Sehnerv Video Art

Performance: Semih Yavsaner

Texte/Regie: Franticek Klossner

Kamera: Tom Bernhard

Ton: Janosch Röthlisberger

Maske: Sinem Yavsaner


الفن المعاصر السويسري


Zofingen - Kultur - الفن المعاصر السويسري

Kunsthaus Zofingen - Swiss Contemporary Art


Kunsthaus Zofingen - Aargau - Kunst und Kultur - Contemporary Art -  الفن المعاصر السويسري

Videoarte - l'art vidéo -  Video Art


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Martin Cooper / The Grandfather of the Generation Head Down

Das weltweit erste Handygespräch hat vor 44 Jahren, am 3. April 1973 stattgefunden. Martin Cooper, der das „Handheld-Mobiltelefon“ für Motorola entwickelt hatte, führte dieses erste Gespräch bei einem Spaziergang auf der Sixth Avenue in New York City. Dabei rief er seinen Konkurrenten Joel Engel an, der für Bell Labs ebenfalls mit der Entwicklung eines Mobiltelefons beauftragt war. Bis zur Markteinführung der Motorola-Entwicklung dauerte es noch weitere zehn Jahre. Der Akku hielt damals maximal 20 Minuten, danach musste er wieder für 10 Stunden ans Ladegerät. Trotz des Preises von 4'000 US Dollar und einem Gewicht von über einem Kilo, verkaufte Motorola vom DynaTAC bereits im ersten Jahr über 12'000 Stück und läutete damit das Zeitalter der Generation Head Down ein.


Kunsthaus Zofingen - Kultur Kanton Aargau

Frantiček Klossner

Videokunst Sehnerv Bern Zürich Berlin