27. November 2016 - 29. Januar 2017

Open Air Ausstellung am Bielersee

mit Werken von Francine Eggs und Andreas Bitschin, Reto Emch, Haus am Gern, Res Ingold, Franticek Klossner, Maboart, Victorine Müller, Christoph Rihs, Pavel Schmidt, kuratiert von Christine Hurni und Christoph Rihs


Marsyas Mythos / Franticek Klossner / Gefrorene Selbstportraits / Kunst der Gegenwart / Art contemporain / Biel Bienne / Von Rütte-Gut Sutz
Marsyas Mythos / Franticek Klossner / Gefrorene Selbstportraits / Melting Selves / Werkreihe seit 1990

Marsyas Mythos

Frantiček Klossners künstlerisches Schaffen ist durchdrungen von existenziellen Fragen. Der menschliche Körper fungiert in seinen Werken als Repräsentant für die Prozesse psychischer Individuation und gesellschaftlicher Interdependenzen. In der aktuellen Ausstellung im Von Rütte Park am Bielersee, zeigt er eine performative Skulptur, die das Menschenbild der Gegenwart in besonders eindringlicher Weise thematisiert. Es handelt sich um ein in Eis gefrorenes Selbstportrait aus der Werkreihe „Melting Selves“, die der Künstler seit nunmehr 26 Jahren kontinuierlich weiterverfolgt. Dem Schmelzprozess ausgesetzt, durchlaufen seine eisigen Körper das gesamte Stilvokabular der Skulpturgeschichte. Von der realistisch figurativen Büste über die mannigfaltigen Schritte der Abstraktion bis zur vollständigen Auflösung. Ihre fragile physikalische Präsenz wird zum Sinnbild menschlicher Aggregatzustände. Das „Immer Weniger Werden“, das Abschmelzen „Vieler Ichs“ und das Einfrieren „Neuer Ichs“, die stetige Wandlung in der rituellen Wiederholung dieser Prozesse, versteht der Künstler als infinite Performance. Kopfüber aufgehängt im orakelhaft anmutenden Innenraum einer hundertjährigen Trauerbuche im Von Rütte Park, verweist der „ausblutende Künstlerkörper“ auf das im kollektiven Gedächtnis verankerte wirkmächtige Urbild des Marsyas. Der Sage nach, wurde der Satyr nach dem Schiedsgericht der Musen, von Apollon, dem Gott des Lichts, der Weissagung und der Künste, in einer Fichte aufgehängt und bei lebendigem Leib gehäutet.


Kunstforum International


Von Rütte-Gut Sutz / Biel

Das Von Rütte-Gut mit seiner enormen Parkanlage gehört zu den schönsten Baudenkmälern an den Ufern des Bielersees. Das Ensemble stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Architekt Friedrich Ludwig von Rütte (1829-1903) erweiterte das Haus nach seiner Rückkehr in die Schweiz (ab 1871) zur repräsentativen Campagne mit exotischen Nebenbauten und einem weiträumigen Landschaftspark. In den gleichen Jahren erbaute er das Museum Schwab in Biel (1871-1873), die Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen in Bern (1874-1877) sowie später die Villa A. von Tscharner in Bern (1895) die ab 1907 zuerst als Sitz der Französischen Botschaft und seit 1971 als Residenz des Botschafters von Frankreich in der Schweiz genutzt wird. Das Von Rütte-Gut am Bielersee blieb lange in Privatbesitz und durchlebte einen wahrlichen Dornröschenschlaf bevor es 1989 von der heutigen Stiftung erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.